Page 4 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, August-Ausgabe 2018
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Editorial

                                                                         Wilfred Nix

Ärztliche Integration darf kein Geschäfts-
modell jenseits der Ärzteschaft sein

Die Anzahl berufstätiger ausländischer Ärztinnen und Ärzte in Ein Problem ist die hohe Durchfallquote bei den Examensprüfun-

Deutschland ist erheblich gestiegen. Um hier tätig zu werden, gen. Die Akademie für Ärztliche Fortbildung bot deshalb einen

müssen aus nicht EU-Staaten (Drittstaaten) kommende Anwärter „Crashkurs“ an, der direkt der Prüfungsvorbereitung dient und

die Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung nachweisen. Vorwiegend gute Ergebnisse zeigt. Er musste jetzt eingestellt werden. MIP hat

im Wege der Kenntnisprüfung wird die Gleichwertigkeit des die Hoheit über Stipendiengelder, eine Zusammenarbeit ist nicht

Ausbildungsstandes derzeit durch das erfolgreiche Ablegen möglich. Im hiesigen Ministerium stieß die Bitte um Vermittlung

einer Prüfung nachgewiesen, die sich auf den Inhalt des deut- auf taube Ohren. Das MIP verweist darauf, dass auch eine finan-

schen Staatsexamens bezieht. Innerhalb der Bundesländer ist zielle Eigenbeteiligung der zugewanderten Arztinnen und Ärzte

allein in Rheinland-Pfalz bereits mit jährlich circa 200 Ärztinnen oder auch Sponsoren-Gelder durch das Gesetz verboten seien.

und Ärzten zu rechnen, die eine ärztliche Drittstaaten-Ausbil- Damit ist das IQ-Netzwerk nicht nur kostenlos, sondern auch,

dung haben und somit bei uns einer weiteren Ausbildung und weil im Besitz eines finanzsteuernden Monopols, in jeder Hin-

Nachqualifizierung bedürfen, um ihre Approbation zu erlangen. sicht konkurrenzlos.

                                                                   Ziel der Ärzteschaft ist es, durch qualifizierte Fortbildungsmaß-

Wer kümmert sich an dieser wichtigen Schnittstelle um unsere nahmen den Erhalt und die kontinuierliche Weiterentwicklung

Kollegen der Zukunft?                                              der beruflichen Kompetenz sicherzustellen. Fortbildungszertifi-

Als erstes erteilen die Approbationsbehörden eine sogenannte kate wurden eingeführt, mit großem Verwaltungsaufwand wer-

Berufserlaubnis angelehnt an das frühere Arzt im Praktikum. den Fort- und Unterrichtsveranstaltungen von den Akademien

Damit können die betreffenden Ärztinnen und Ärzte unter Auf- organisiert und durch die Kammern zertifiziert. Es ist daher unver-

sicht tätig werden, es bedarf jedoch weiterer berufsbegleitender ständlich, wenn bei der Integration von Kollegen nicht auf die

fachlicher Unterweisung für die erforderliche Prüfung. Dazu vorhandenen Kompetenzen zurückgegriffen wird und stattdes-

werden Vorbereitungskurse angeboten.                               sen ausschließlich nicht-ärztliche Organisationen herangezogen

                                                                   werden. Dieses Aufgabenfeld wäre bei entsprechender Zuord-

Da Ausbildungsbedarf nicht nur bei Ärztinnen und Ärzten nung der Finanzmittel bei den Akademien für Ärztliche Fortbil-

besteht, kümmern sich sogenannte IQ-Netzwerke (Integration dung in besten Händen und frei von kommerziellen Interessen.

durch Qualifikation) um Berufseinsteiger. Damit haben sich ein- Für zukünftige Kollegen wäre es wichtig zu sehen, welche Aufga-

trägliche Geschäftsfelder aufgetan. An den Ärztekammern vor- ben von der ärztlichen Selbstverwaltung übernommen werden,

bei blüht ein lukratives Geschäftsmodell mit der „Anpassungs- wer in schwierigen Situationen ihr Ansprechpartner ist und wer

qualifizierung“. Bundesweit ist eine ganze Reihe solcher Institute ihre Interessen vertritt. Dieser Integration innerhalb der Ärzte-

entstanden. Die Kosten pro Kopf belaufen sich in Höhe von etwa schaft dient der jetzige Zustand nicht.

10.000 Euro. Solche Ausbildungskosten werden über staatliche

Stipendien sowie Mittel des Bundessozialministeriums und des Mit kollegialen Grüßen,

Europäischen Sozialfonds bereitgestellt. Der Clou: Die Stipendien

müssen nicht zurückgezahlt werden.

In Rheinland-Pfalz hat die Approbationsbehörde die nicht-ärztli-

che Organisation MIP (Medici in Posterum GmbH) als Kooperati-

onspartner mit der berufsbegleitenden Ausbildung und landes-

weiten Beratung unserer zukünftigen Kollegen beauftragt. Dazu

bietet MIP 14-tägig einen Nachmittagskurs für Ärzte aus Rhein- Uni-Prof. Dr. Wilfred Nix

land-Pfalz an.                                                     Direktor der Akademie für Ärztliche Fortbildung Rheinland-Pfalz

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