Page 23 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, August-Ausgabe 2018
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Neues aus der KV                       Die KV Rheinland-Pfalz informiert

der neuen Systematik deutlich weniger Praxen auffällig gewor- ten Arzt in der Gemeinschaftspraxis zugeordnet. Nur für diesen

den. Dabei seien praxisindividuelle Besonderheiten oder Arzt galt eine Punktzahlobergrenze (PZOG). Nach dem Richter-

Schwerpunkte wie Glaukom- und Schmerztherapie oder Hypo- spruch gilt die PZOG nun für die ganze Praxis. Allerdings

sensibilisierung in dem Simulationsergebnis noch gar nicht betreffe dieses Urteil ausschließlich alle neuen Anträge auf

berücksichtigt. Als „extrem unbefriedigend“ bezeichnete Dr. Jobsharing. Für die bereits bestehenden rund 100 Jobsharing-

Heinz, dass es auch in der neuen Systematik ein gefühltes Praxen bleibe alles beim Alten, betonte Dr. Bartels.

Regressszenario gebe. Für 2018 zeige die Trendanalyse für

Januar bis April eine Überschreitung der Gesamtausgaben. Hier Eine weitere Auswirkung des BSG-Urteils betreffe die budget-

dürfe die Ärzteschaft nicht müde werden zu betonen, dass sie freien Leistungen wie ambulante Operationen oder belegärzt-

keinerlei Einfluss auf die Arzneimittelpreise habe. Dies werde liche Leistungen. Blieben diese bei der Festlegung der PZOG

die KV RLP in den Verhandlungen weiter hervorheben.               bisher außen vor, müssten nun auch solche Leistungen unein-

                                                                  geschränkt berücksichtigt werden. „Diese Neuberechnung

Angesichts der aktuellen Berichterstattung in den Medien über müssen wir dann ab dem 1. Januar 2019 leider so vornehmen“,

hohe Regresse bei Hausbesuchen merkte der Vorstandsvorsit- bedauerte Dr. Bartels.

zende an, dass dies in Rheinland-Pfalz seit 2012 kein Thema

mehr sei, da hier Hausbesuchsziffern im Konsens mit den Kran-

kenkassen nicht mehr geprüft werden. Altverfahren sind weit- Telematik-I nfrastruk tur: KV R L P fo rd er t vo ll-

gehend beendet. Trotzdem ging in den vergangenen Jahren ständ ig e Ko stenerstattung

die Zahl der Hausbesuche immer mehr zurück, da sich dies für

den einzelnen Vertragsarzt mit zunehmender Praxisgröße wirt- Sehr kritisch bewertete KV RLP-Vorstandsmitglied Peter And-

schaftlich nicht mehr darstellt.                                  reas Staub das jüngste Verhandlungsergebnis von KBV und

                                                                  GKV-Spitzenverband zur Finanzierung der Telematik-Infrastruk-

                                                                  tur (TI). „Zwar liegen die Erstattungspauschalen jetzt deutlich

BS G- Ur te i l m a c ht Job s h ar i n g f ü r BAG u n d M V Z höher als vorher, decken die entstehenden Kosten in manchen

unattraktiv                                                       Bereichen aber noch nicht zu 100 Prozent ab. Wir sind der Mei-

                                                                  nung, dass die Krankenkassen jeden auszugebenden Euro der

Anlässlich der Gesundheitsministerkonferenz der Länder wies Praxen für die TI-Anbindung auch vollständig zu erstatten

Dr. Andreas Bartels, stellvertretender Vorsitzender der KV RLP, haben“, bekräftigte Peter Andreas Staub die Position der KV RLP.

darauf hin, dass alle derzeitigen Reglementierungsmaßnah- Es entspräche nicht dem Sinn der Erstattungsvereinbarung,

men – Stichwort Budgetierung, Bedarfsplanung oder Plausibi- wenn manche Anbieter auf dem Markt zwar die Kosten in Höhe

litätsprüfung – eine Niederlassung für den ärztlichen Nach- der Erstattungspauschale zusicherten, jedoch die Mehrwert-

wuchs unattraktiv machten.„Es ist bei den politischen Entschei- steuer aufschlagen würden.

dern leider immer noch nicht angekommen, wie dramatisch

die Situation ist“, stellte Dr. Bartels mit Entsetzen fest. Eine                            Bisher seien laut dem Unter-

Ausweitung der Leistungen könne erst dann erfolgen, wenn                                    nehmen CompuGroup Medi-

Begrenzungsmaßnahmen abgeschafft würden. Der Vorstand                                       cal bundesweit erst 17.000

der KV RLP sei dafür, jede Möglichkeit der Entbudgetierung zu                               Praxen ausgestattet worden.

nutzen, und begrüße die derzeitige Diskussion.                                              In Rheinland-Pfalz haben

                                                                                            1.143 Praxen einen Praxisaus-

                                  Insofern gehe das Urteil des                              weis beantragt und 545 Pra-

                                  Bundessozialgerichts vom 24.                              xen wurden bereits refinan-

                                  Januar 2018 zu Jobsharing-                                ziert (Stand: 6. Juni 2018).

                                  Praxen in die falsche Rich-                               Nach Einschätzung von Peter

                                  tung, da diese richterliche                               Andreas Staub werden bis

                                  Vorgabe die Leistungsaus-                                 Ende dieses Jahres jedoch

                                  weitung begrenze. Die gefor-                              nicht alle Praxen an die TI

                                  derte Umstellung von einer Peter Andreas Staub: „Kosten angeschlossen sein. „Daher

                                  arztbezogenen zu einer pra- der TI-Anbindung müssen bestehen wir weiterhin auf
                                  xisbezogenen Berechnung vollständig erstattet werden.“ einer Verlängerung der

                                  mache Jobsharing insbeson-                                gesetzlich vorgegebenen

                                  dere für Berufsausübungsge- Frist.“ Bisher (Stand 20. Juni 2018) seien lediglich ein Konnektor,

                                  meinschaften (BAG) und nämlich der der CompuGroup Medical, zwei stationäre Karten-

Dr. Andreas Bar tels plädier t Medizinische Versorgungs- terminals, aber noch kein mobiles Kartenterminal zugelassen*.
dafür, jede Möglichkeit der zentren (MVZ) unattraktiv. In (* Nach dem 20. Juni 2018 erfolgten weitere Zulassungen.) Von
Endbudgetierung zu nutzen. der Vergangenheit wurde den Anbietern für Praxisausweise ist neben der Bundesdrucke-

                                  der Jobsharer einem konkre- rei nun die Medisign GmbH auf den Markt gekommen.

                                                                  Ärzteblatt Rheinland-Pfalz ❙ 8/2018 23
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