Page 21 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, August-Ausgabe 2018
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Fortbildung

Häufig und doch schwierig
zu diagnostizieren: Psoriasis Arthritis

KRIMI –Kontinuierliche Rheumatologisch-Internistische Fortbildung aus Mainz

                                                                    und die gezielte klinische Untersuchung zeigte psoriatische
                                                                    Effloreszenzen an typischen, jedoch diskreten Hautarealen.

                                                                    Labortechnisch ergeben sich keine Auffälligkeiten und das HLA-

                                                                    B27 wird negativ getestet. Die Arthrosonographie erbringt den

                                                                    Nachweis einer Coxitis auf beiden Seiten, so dass akut eine Ultra-

                                                                    schall-gezielte Lokaltherapie der Hüftgelenke mit Triamcinolon

                                                                    und Lokalanästhetikum durchgeführt wird. Die Patientin ist

                                                                    sofort schmerzfrei. Bei Diagnosestellung einer aktiven chronisch-

                                                                    entzündlichen Erkrankung wird nach heutigem Wissensstand

                                                                    sehr zeitnah der Beginn einer Basistherapie mit, z.B. Methotrexat,

                                                                    gefordert. Unter dieser Therapie, ohne systemische Glukokorti-

MRT-Becken mit Kontrastmittel                                       koide, war die Patientin zunächst für circa 3-4 Wochen beschwer-

                                                                    defrei. Es demaskierten sich jedoch diffuse nächtlich und früh-

                                                                    morgens betonte Schmerzen im Beckenbereich, die die Patientin

Anamnese:                                                           nicht näher lokalisieren konnte. In der klinischen Untersuchung

Eine 46jährige Frau stellte sich im „Zentrum für Rheumatologi- zeigten sich die Hüftgelenke beschwerdefrei. Eine MRT-Untersu-

sche Akutdiagnostik“ vor mit seit Wochen an Intensität zuneh- chung wurde durchgeführt mit der Frage nach einer ISG-Arthritis

menden, mittlerweile ausgeprägten Schmerzen in Bereich bei- oder Enthesitis. Bei HLA-B27 neg. Genstatus wurde eine ISG-

der Hüftregionen. Nachts konnte die Patientin schmerzbedingt Arthritis ausgeschlossen, jedoch deutliche enthesitische Verän-

nicht auf der Seite schlafen. Morgens waren die Schmerzen am derung am Os ilium bds. sowie Ödem im Hüftkopf rechts festge-

intensivsten ausgeprägt und besserten sich unter Bewegung stellt.

innerhalb der Morgenstunden. Ansonsten war die Patientin bis-

her immer gesund. Auf gezieltes Nachfragen ergab sich eine Enthesitische Verläufe sind bei der PsA typisch, sehr häufig und

mögliche Psoriasis (PsO) beim Vater und bei der Großmutter nicht selten auch klinisch dominant. In der Regel lassen sich

väterlicherseits.                                                   diese Manifestationen durch MRT oder teilweise auch im Enthe-

                                                                    sen-Ultraschall diagnostizieren. Enthesitiden sind in der Regel

Klinische Befunde:                                                  durch MTX nicht gut behandelbar, so dass in erster Linie NSAR/

Deutlicher Hüftinnenrotationsschmerz bds.. Rötung und Schup- Coxibe und bei nicht ausreichendem Behandlungserfolg anti-

pung im Bauchnabelbereich, schuppendes diskretes Exanthem TNF-Medikamente eingesetzt werden müssen. Bei einem HAQ-

im Gehörgang bds.. Internistische Untersuchung unauffällig. Score von 1 und Wirbelsäulenentzündungsscore (BASDAI) von

                                                                    5,8 unter hochdosierten NSAR/Coxiben wurde eine anti-TNF-

Labor:                                                              Therapie begonnen. Die Patientin ist seither beschwerdefrei.

Klin. Chem. Labor unauffällig, RF, ACPA, ANA, CRP, BSG, HLA-B27

negativ.                                                            Autor und Fotos:

                                                                    Prof. Dr. med. Peter Härle

Apparative Untersuchungen:                                          Klinik für Rheumatologie, Klinische Immunologie und Physikali-

Arthrosonographie, im Verlauf auch MRT des Beckens                  sche Therapie

                                                                    Zentrum für Rheumatologische Akutdiagnostik

Diagnose:                                                           Katholisches Klinikum Mainz

Psoriasis Arthritis (PsA) mit Coxitis und Enthesitis                An der Goldgrube 11

                                                                    55131 Mainz

Diskussion:                                                         Tel.: 06131-575-1750

Bereits in der Anamnese lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Mail: rheumatologie@kkmainz.de

eine periphere Arthritis im Bereich beider Hüften herausarbeiten www.kkm-mainz.de

– morgendliche Steifigkeit, Besserung nach Stunden unter Bewe-

gung. Die gezielte Frage nach einer PsO in der Familie ist positiv

                                                                                          Ärzteblatt Rheinland-Pfalz ❙ 8/2018 21
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