Page 18 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, August-Ausgabe 2018
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Berufspolitik

hinzu. Seiner Erfahrung nach gibt es in jeder Abteilung„Arbeits- Assistenten b ek lag en unstruk turier te Weite rb il-

und Rennpferde“. Das Rennpferd bekomme über Forschungs- d ung

programme jede nur mögliche Unterstützung. Aber: Wer Wis-

senschaft mache, werde für seinen Facharzt bis zu zwei Jahre Hier bekam sie Unterstützung von vielen weiteren jungen Ärz-

länger brauchen. Doch für den, der in die Forschung wolle, sei tinnen und Ärzten im Saal. „Ich bleibe sehr gerne länger, wenn

dies keine verschenkte Zeit. Provokant fügte er hinzu: „Operie- ich dafür bei guten Operationen dabei sein kann. Aber meis-

ren kann schließlich jeder Schimpanse.“                         tens handelt es sich ja nur ums Briefeschreiben“, ärgerte sich

                                                                eine junge Ärztin. „Wir wollen gute Weiterbildung“, ergänzte

                                                                ein anderer junger Arzt. Aber viele der Tätigkeiten, die im Kran-

Für klare hierarchische Strukturen                              kenhaus unter dem Namen Weiterbildung laufen würden, hät-

                                                                ten mit Weiterbildung gar nichts zu tun. Ein anderer Nach-

Izbicki, der sich selbst immer wieder als „Dinosaurier“ und „Sil- wuchsarzt beklagte, dass die Weiterbilder gar keine Zeit mehr

berrücken“ bezeichnete, bekannte sich auch zu klaren hierar- für echte Weiterbildung hätten. Heftige Kritik übte der ärztliche

chischen Strukturen in der Klinik. Und er setzte noch eins drauf: Nachwuchs aber auch an den befristeten Arbeitsverträgen. Der

„Als Chef müssen Sie Eier in der Hose haben, sonst haben Sie Druck, der durch Ein- und Zwei-Jahresverträge entstehe, behin-

gegenüber der Verwaltung verloren.“ Gerade in der Chirurgie dere auch die Weiterbildung. Und wenn man Weiterbildung in

sei dies wichtig. Arbeitszeitverkürzungen lehnte er ab. Dass Teilzeit absolviere, sei dies noch schwieriger, fügte eine junge

dies nicht familienfreundlich sei, gab er unumwunden zu. Doch Ärztin hinzu: „Seit ich in Teilzeit bin, bekomme ich keine wirkli-

wenn er einen Patienten operiere, dann sei es für ihn selbstver- che Weiterbildung mehr.“

ständlich, diesen Patienten auch die ganze Zeit über zu

betreuen und nicht an Kollegen abzugeben. „Auch wenn dies „Wir wünschen uns eine verbesserte Weiterbildungsstruktur“,

bedeutet, dass ich nachts bei Komplikationen zu ihm hin muss“, forderte auch Florian Vollrath, Arzt in chirurgischer Weiterbil-

so Izbicki. Er tue dies aus Überzeugung und erwarte dies auch dung in Leipzig. Dazu gehören für ihn auch eine verlässliche

von seinen Mitarbeitern.                                        Assistentenrotation und Mentorenprogramme – und nicht nur

                                                                „zufälliges learning by doing“. Und in Reaktion auf Izbickis pro-

                                                                vokante Thesen, konterte er:„Wir drücken uns nicht. Wir trauen

Weiterbildungsassistentin: Wir sind nicht die                   uns aber, Altes zu hinterfragen.“

Generation Spaß

                                                                Berufszufriedenheit sei auch keine Frage des Gehaltes, meinte

Die Unzufriedenheit der jungen Ärztinnen und Ärzte brachte eine weitere junge Ärztin: „Es ist schön, dass es Tarifverträge

beispielsweise Katharina Thiede, Ärztin in Weiterbildung Allge- gibt, aber es geht uns nicht ums Geld. Wir wollen gute Weiter-

meinmedizin in Berlin, auf den Punkt: „Nach dem langen Stu- bildung.“

dium ist man einfach zu wenig Arzt.“ Sie sei eigentlich sehr

gerne Ärztin, aber eben ungern „ein Verwaltungsfuzzi“. Sie sei

in Sorge, weil die zunehmende Arbeitsverdichtung bedenklich Ö ko no mischer D ruck macht Ang st vo r N iede r -

sei für die Patientenversorgung und für den Arztberuf. Die lassung

zunehmende Ökonomisierung sorge für Unzufriedenheit und

somit auch für unbefriedigendes Arbeiten. Thiede: „Wir Ärzte Fehlende Arbeitszufriedenheit sei darüber hinaus nicht nur in

dürfen nicht zum Faktor Rendite verkommen!“ Auch fand sie der Klinik, sondern auch im ambulanten Bereich spürbar und

klare Worte an diejenigen, die dem Ärztenachwuchs nur noch belaste sehr. Der ökonomische Druck mache auch Angst vor

das Streben nach Familie und Freizeit unterstellen: „Wir enga- einer eigenen Niederlassung, brachte es Dr. Leonor Heinz, Ärz-

gieren uns sehr für unsere Patienten und für unser Team. Und tin in Weiterbildung in Allgemeinmedizin und Sprecherin des

wir sind nicht die Generation Spaß!“ Doch es müsse sich was Forums Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband, auf

ändern. Einer ihrer Kritikpunkte betraf die„unstrukturierte Wei- den Punkt. „Wir wollen Verantwortung übernehmen, aber das

terbildung“.                                                    Gesundheitswesen, wie es jetzt ist, treibt uns in die Verzweif-

                                                                lung“, ergänzte sie. Derzeit werde das Gesundheitswesen von

                                                                Gewinnmaximierung getrieben. Aber „ich sehe mich nicht als

                                                                Diagnosen-Angler.“

                                                                Für Heinz und die anwesenden jungen Ärztinnen und Ärzte war
                                                                ziemlich klar:„Der Schlüssel zur Berufszufriedenheit liegt in der
                                                                Identifikation mit unserer guten Arbeit!“ Und dafür braucht es
                                                                verbesserte Weiterbildungs- und Arbeitsbedingungen.

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