Page 13 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, März-Ausgabe 2018
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B eruf spolitik




            nicht, ergänzt er. Eine Gemeinschaftspraxis bringe eben viel  sitzen  und  nicht  in  der  lauten  Innenstadt  wohnen,  wo  ich
            mehr Gestaltungsfreiraum, um Beruf, Familie und Freizeit gut  wegen des Lärms kein Fenster öffnen kann.“ In der Stadt ist es
            zu vereinbaren.                                  ihm eindeutig zu eng. Er selber kommt aus einem ländlichen
                                                             Gebiet an der Mosel und ist dort auch großgeworden. Natürlich
            Wenn er ältere Ärzte und Ärztinnen von früherer Zeiten erzäh- sei auch er als Jugendlicher vom Landleben mehr als genervt
            len höre, wundere er sich immer wieder. „Sind das Heldentum- gewesen, gibt er zu und lacht. Doch jetzt ziehe es ihn als
            Erinnerungen von früher oder war es wirklich so? Da berichten  Erwachsenen wieder dorthin zurück, gesteht er. Und klar: Es
            sie verklärt, dass sie als  Hausärzte jeden Tag von sechs  Uhr  kann ganz schön nerven, wenn einen auf dem Land wirklich
            morgens bis neun Uhr abends in der Praxis waren und dann im  jeder kennt. Aber eigentlich sei das auch wieder ganz schön,
            Anschluss  noch  zwei  Stunden  daheim  Papierkram  erledigt  denn so habe man zu den Namen der Menschen auch immer
            haben und dass das völlig normal war. „Mir ist schon klar, dass  ein Gesicht. Auch beruflich: In der Stadt gehe in großen Häu-
            der Arztberuf ein sehr arbeitsintensiver Beruf ist, aber irgend- sern  auf Station  halt  irgendjemand  ans  Telefon. „In  kleinen
            wann muss auch Feierabend sein – und zwar gemeinsame  Häusern ist es eben Schwester Elke, die man auch persönlich
            Freizeit mit der Familie.“ Das ist ihm wichtig.  kennt“, erzählt er. Das mache Zusammenarbeit leichter. Und als
                                                             Landarzt, so hofft er, kenne man irgendwann nicht nur den
            Auch fände er es gut, wenn das  Thema Zeitmanagement  einzelnen Patienten, sondern auch die Familie. Und das könne
            bereits im Studium angesprochen werden könnte. Und dass  für eine gute Behandlung auch wichtig sein.
            einem nicht eingetrichtert werde, dass man als guter Arzt
            grundsätzlich von sieben Uhr morgens bis neun Uhr abends in  Auf den Arztberuf freut sich Andreas Prüm-Wolf. Auf dem Weg
            der Klinik präsent sein müsse. Gut strukturierte Stationen und  dorthin  wünscht  er sich  aber noch  viele  andere Unterstüt-
            Arbeitsabläufe ermöglichen seiner Erfahrung nach nämlich  zungsangebote. „Theoretisch werden wir wie verrückt ausgebil-
            sehr wohl einen geregelten pünktlichen Feierabend.  det. Aber praktische Tipps für den späteren Berufsalltag oder
                                                             zur Niederlassung bekommen wir während des Studiums nicht.“
            Dass es ein stärkeres Miteinander geben müsste, ist ihm auch  Das findet er sehr schade. Es wäre für Studierende schon recht
            ein Anliegen. „Dass wir uns gegenseitig unter Konkurrenzdruck  wichtig, von erfahrenen Ärztinnen und Ärzten mal ehrlich zu
            setzen lassen, tut nicht gut“, erklärt er.       hören, wie man gut durch den Arbeitsalltag kommt oder wie
            Und ganz wichtig für ihn ist auch eine strukturierte Weiterbil- viel man wirklich verdient.
            dung. „Learning by doing ist zwar schön und gut, aber das darf
            es nicht nur sein. Ich möchte auch in der Weiterbildung klassi- Doch am allermeisten liegt es ihm am Herzen, dass „das Gejam-
            sche Ausbildung erleben und dass der Weiterbilder für uns Zeit  mere der Älteren aufhört, dass sie uns ehrlich an ihrer Erfah-
            hat.“                                            rung teilhaben lassen und uns begeistern und dass das Medi-
                                                             zinstudium vom elitären Elfenbeinturm wieder in der Praxis
                                                             ankommt, damit nicht mehr so viele junge Ärztinnen und Ärzte
                        Das Gejammere der Älteren sollte
                        aufhören. Stattdessen sollten sie    frustriert in patientenferne Tätigkeiten abrutschen“.
                        uns Jüngere begeistern.


            Der Weg in die Niederlassung steht für ihn fest. Am liebsten
            auch auf dem Land. „Hier gibt es Ruhe und hohe Lebensquali-
            tät“, weiß er. „Wenn ich den ganzen  Tag in der Praxis war,
            möchte ich abends beispielsweise gerne gemütlich im Garten

























                                                                            Ärzteblatt Rheinland-Pfalz ❙ 3/2018  13
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