Page 9 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Januar-Ausgabe 2018
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Berufspolitik

Info-Abend für PJler: Freude am Arztberuf
nicht von Miesmachern schlechtreden lassen

Ines Engelmohr, Mainz

Wie funktioniert Weiterbildung? Welche Perspektiven habe ich?
Und wie sind die Chancen, Beruf und Familie zu vereinbaren?
Medizinstudierenden haben viele Fragen. Deshalb hat die
­Landesärztekammer gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen
Vorstand der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-
Universität Mainz erneut zum Info-Abend „Medizinstudium
bald fertig! Und dann?“ eingeladen.

Bei den Studierenden kommt dieser Info-Abend gut an; bereits
zum siebenten Mal wurde er angeboten; über 120 Studierende
nutzten in diesem Jahr diese Möglichkeit, sich direkt zu infor-
mieren.

Foto: EngelmohrDie Berufschancen für junge Ärztinnen und Ärzte sind derzeit
                                                                                                                                                                                                                                                                       Foto: Engelmohr
so gut wie schon seit langen Zeiten nicht mehr, darauf machten

sowohl Landesärztekammer-Präsident Dr. Günther Matheis als

auch der Prodekan für Studium und Lehre der Johannes Guten-

berg-Universität Mainz, Univ.-Professor Dr. Heinz Schmidberger, Gute Gespräche beim gemeinsamen I nfo -Abend für Stu-
                                                                 dierende: Prodekan für Studium und Lehre der Johannes
in ihrer Begrüßung die Studierenden aufmerksam.
                                                                 Gutenberg-Universität Mainz, Univ.-Professor Dr. Heinz
„Sie sind begehrt – sowohl in den Krankenhäusern als auch in     Schmidberger (l.), und Landesärztekammer-Präsident Dr.
den Praxen“, fügte Matheis hinzu und er motivierte die Studie-   Günther Matheis.

renden, auch ländliche Regionen für die spätere Tätigkeit in

Betracht zu ziehen. Gerade hier „gibt es derzeit so viele gute

Möglichkeiten“.                                                  näre Zusammenarbeit? Und kein Fehler sei es, vorher auch

                                                                 schon mal ein wenig Probe zu arbeiten, um einen persönlichen

Der Arbeitsmarkt für Ärztinnen sei heute sehr gut, berichtete Eindruck zu bekommen. Eine spätere Karriere sei dann meist

auch Schmidberger. Gab es in den 90er Jahren noch die soge- eine Mischung aus Planung und Zufall. Wichtig bei allem sei

nannte Ärzteschwemme, in der man als Arzt weit über 100 aber:„Machen Sie das Fachgebiet, was Ihnen Freude macht.“

Bewerbungen rausschickte und noch nicht einmal eine Ant-

wort bekam, so „ist die Situation heute völlig anders“. Eine Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen,„kann einen gro-

                                 Absolventenbefragung ßen Spagat erforderlich machen“, ergänzte Dr. Nadine Dreimül-

                                 aus dem Jahr 2013 in ler, Oberärztin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

                                 Mainz zeigte diesen Wan- der Universitätsmedizin Mainz. Erforderlich seien viel Flexibili-

                                 del: Jeder dritte brauchte tät und vor allem eine gute Vernetzung, damit die Kinderbe-

                                 nur eine Bewerbung ver- treuung auch verlässlich bei Notfällen funktioniere. Und natür-

                                 senden, um eine Stelle lich ein Arbeitgeber, der für flexible Arbeitszeitmodelle aufge-

                                 zu bekommen. Vor der schlossen sei. Mit deutlichen Worten warnte Dreimüller auch

                                 Stellenzusage sollte man vor der„Teilzeit-Falle“. Da werde nach dem Motto„Du bist doch

                                 noch einige Dinge beach- daheim, warum hast du nicht dieses oder jenes erledigt?“ viel

                                 ten, empfahl er. Wichtig Druck aufgebaut. Auch würden sich immer noch viel zu viele

                                 sei vorher zu klären: Wie Frauen selber unter Druck setzen, dass beispielsweise der Haus-

                                 ist der Stellenplan ausge- halt zu kurz komme. Dreimüller: „Wollen Sie wirklich Teilzeit

                                 stattet? Welche techni- arbeiten, um dann abends noch die Wohnung zu putzen?“

                                 sche Ausstattung gibt es? Besser sei es mitunter, Vollzeit zu arbeiten und sich eine Haus-

Oberärztin Dr. Nadine Dreimül-   Wie ist die Relation Fach- haltshilfe zu gönnen. Sie appellierte auch eindringlich daran,
ler: „Die schlimmsten Barrieren  ärzte und Assistenzärzte? sich von klassischen Rollenbildern zu verabschieden und
sind diejenigen im Kopf!“        Wie läuft die interdiszipli- immer wieder „out-of-the-box“ zu denken. Sie selber und ihr

                                                                 Ärzteblatt Rheinland-Pfalz ❙ 1/2018 9
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