Page 7 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Januar-Ausgabe 2018
P. 7

Aktuell
                                                                         Bezirksärztekammer Trier beschäftigt sich
                                                                         weiter mit Medizin im Dritten Reich

Foto: Hauschild
                                                                                                                        Foto: Hauschild
B ezir k sä r ztek a mm er-Vo rsit zen d er Dr. Wa lter Gra d e l be ­­
grüßt Professor Dr. Heike Spaderma (Mitte) und Professor
Dr. Margit Haas (r.), die beide der Vertreterversammlung
über den Dualen Bachelor-Studiengang „Pflegewissen-
schaften – klinische Pflege“ der Uni Trier berichteten.

                                                                         Mit einer eigenen Veranstaltungsreihe beschäftigt sich

schaftlich und praktisch ausgebildet, eigenverantwortlich und            die Bezirksärztekammer Trier seit vielen Jahren mit dem
selbständig zur professionellen pflegerischen Berufsausübung             Th e ma „ M e d i z i n i m D r i tte n R e i c h “. I m An s c h l u s s a n di ese
fähig ist und die pflegerische Aufgaben in einem größeren                Initiative hatte die Professur für Neuere und Neueste
                                                                         Geschichte der Universität Trier ein Forschungsprojekt

Kontext sieht sowie Lösungsansätze entwickelt. Nach dem unter Leitung von Professor Dr. Lutz R aphael und Dr. Tho -
                                                                         mas Grotum zur Fragestellung „Nationalsozialistische Ras-
Abschluss kommen verschiedene Betätigungsfelder in Frage:                senhygiene im Raum Trier – Zwangssterilisationen und
Neben der praktischen, professionellen Pflege„am Bett“, sollen           Patientenmorde im ehemaligen Regierungsbezirk Trier
die Absolventen in der Lage sein, evidenzbasiert zu pflegen,             1933 – 1945“ aufgenommen. Das Forschungsprojekt wird

Forschungsergebnisse in der Praxis umzusetzen, neue Pflege- begleitet von verschiedenen Vor trägen zu dem Thema.

konzepte zu entwickeln, an wissenschaftlichen Studien mitzu- Um das Thema weiter aktuell zu halten und um Einblicke
                                                                         auch in andere Regionen zu bekommen, hat nun im Trie-
wirken und Kolleginnen und Kollegen weiterzubilden. Ob für               rer Ärztehaus der Vize-Präsident des Zentralkomitees der
diese Bereiche finanzielle Anreize von den Krankenhäusern                deutschen Katholiken, Dr. Christoph Braß, einen Vortrag
bestehen, um zu verhindern, dass diese qualifizierten Kräfte             über „Zwangssterilisation und Euthanasie im 3. Reich am

nach dem Abschluss in andere Betätigungsfelder oder das Beispiel des Saarlandes“ gehalten.

Ausland abwandern, konnte letztlich nicht geklärt werden.

Aus dem Studienplan war zu entnehmen, dass die Ausbildung
sich auf die Pflege beschränkt. In der anschließenden Diskus-
sion wurde kritisch hinterfragt, inwiefern die Akademisierung
der Pflegeberufe nicht dazu führe, im Sinne der Kostenträger
und der Politik ärztliche Leistungen zu substituieren.

Bezirksärztekammer-Vorsitzender Dr. Walter Gradel fasste die

Diskussion so zusammen: Gerade der duale Studiengang unter

Einbeziehung der praktischen Ausbildung am Krankenbett

zeige, dass es hier nicht darum gehe, den Ärzten Kompetenzen

streitig zu machen, sondern dass es um eine Verbesserung der

Pflege gehe. Um Erkenntnisse in der evidenzbasierten Pflege in

den Alltag zu implementieren, müsse man die Abläufe in der

Pflege kennen. Dies sei auch für die Akzeptanz innerhalb der

Pflegeteams unabdingbar. Gradel stellte aber gegenüber den

beiden Dozentinnen auch klar, dass die Ärzteschaft die Ent-

wicklung genau beobachten und auch in Zukunft eine dem

politischen Mainstream folgende Substitution ärztlicher Leis-

tungen nicht hinnehmen werde, wie sich ja auch zurecht die

Pflege gegen die Übernahme von Teilen ihrer Tätigkeiten durch

weniger qualifizierte Mitarbeiter wehre. 		  (PH)

                                                                                                                                         Ärzteblatt Rheinland-Pfalz ❙ 1/2018 7
   2   3   4   5   6   7   8   9   10   11   12