Page 28 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Januar-Ausgabe 2018
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Neues aus der KV
Die KV Rheinland-Pfalz informiert
Dr. Heinz: In Berlin wird über ein Ende der                                                                                    Verfügung, ohne dass damit die hohen Kosten eines großen
                                                                               Foto: KV RLPBudgetierung diskutiert             Krankenhauses verbunden sind.

Auch dank der Mitgliedschaft der KV RLP in der Freien Allianz In der Gemeinde Neuerburg etwa steht ein großes, hervorra-

der Länder-KVen (FALK) funktioniere der Informationsfluss gend ausgestattetes Krankenhaus, aus dem sich jetzt die Betrei-

nach Berlin und den dort wichtigen Gremien gut, berichtete Dr. ber zurückziehen wollen. Die Beatmungsstation wurde bereits

Peter Heinz, Vorsitzender des Vorstandes der KV RLP. Insgesamt von einem Pflegedienst übernommen. Eine Allgemeinärztin

bestehe unter den FALK-KVen ein relativ großer Konsens. hat Interesse daran bekundet, in dem Haus zu praktizieren. Die

Ergebnis der gemeinsamen Zusammenarbeit sei die Installa- KV RLP ist im intensiven Kontakt mit den Beteiligten, um Lösun-

tion eines KBV-Vorstands, der im Gegensatz zur letzten Periode gen vor Ort zu finden.

recht konfliktfrei arbeite. Diese Entwicklung sei sehr positiv, die

in der V­ergangenheit schwelenden Haus-/Facharztkonflikte Dass die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten sei und auch

seien nicht mehr spürbar.                                                                                                      Kliniken Interesse an einer sektorübergreifenden Zusammen­

                                                                                                                               arbeit hätten, zeige das Beispiel Uniklinik Mainz, die an die KV

                                                                                             Die Gesundheitspolitik nehme RLP herangetreten sei, so Dr. Heinz. Dort wird die Notfallambu-

                                                                                             in Berlin derzeit keinen großen lanz jährlich mit 10.000 Patienten belastet, die eigentlich in

                                                                                             Raum ein. Eine ganz entschei- einer Praxis versorgt werden könnten. Ziel sei es nun im Rah-

                                                                                             dende Sache für die Ärzte- men eines Modellprojektes eine allgemeinmedizinische Praxis

                                                                                             schaft sei hier jedoch zu nen- am Campus zu eröffnen, um die Notfallambulanz zu entlasten.

                                                                                             nen: Es gebe tatsächlich Über- Dadurch sollen Behandlungsfälle, die bislang durch den statio-

                                                                                             legungen in Berlin, die Budge- nären Sektor versorgt wurden, wieder in den vertragsärztlichen

                                                                                             tierung abzuschaffen. Das Ende Bereich zurückgeführt und in einem zweiten Schritt an Mainzer

                                                                                             der Budgetierung müsse drin- Ärzte verwiesen werden. Der Start des Modellprojekts hänge

                                                                                             gend eingefordert und unter- maßgeblich von der Zustimmung der rheinland-pfälzischen

                                                                                             stützt werden, unterstrich Dr. Krankenkassen ab. Die Praxis würde mit der Notfallambulanz

                                                                                             Heinz, damit die ambulante einen gemeinsamen Tresen haben, so der Plan. Dort könne das

Dr. Peter Heinz: „Morbidi- medizinische Versorgung end- im Rahmen des Innovationsfonds entwickelte Ersteinschät-
tätsbedingte Gesamtvergü­
tung “ ist fa lsche r B eg­­ r iff.                                                          lich vernünftig weiterentwickelt  zungsinstrument eingesetzt und evaluiert werden.
                                                                                             und moderne Versorgungs-

                                                                                             strukturen gestaltet werden Haus- und Fachär zte so llten unb ed ing t an

                                                                                             könnten.                          einem Strang ziehen

In diesem Zusammenhang wünschte sich Dr. Heinz auch, die Der Vorstand der KV RLP ist sich sicher, dass dieses Projekt im

Kraft des Wortes spielen zu lassen. Das Kunstwort:„Morbiditäts- Interesse aller Mitglieder der KV RLP ist. Das auch deshalb, weil

bedingte Gesamtvergütung“, das sogar im Gesetz Niederschlag die KV RLP hier erstmals Erfahrung sammeln könne, die für den

gefunden habe, sei ein falscher Ausdruck. Richtigerweise soll- eventuell erforderlichen Betrieb von Eigeneinrichtungen wich-

ten Ärzte von einer budgetierten Gesamtvergütung sprechen, tig seien. Langfristiges Ziel sei es, Eigeneinrichtungen so zu

die aufgrund von Morbidität weiterentwickelt werde. Die Wei- konstruieren, dass sie später wieder an selbstständig tätige

terentwicklung der Vergütung aufgrund von Morbidität sei im Ärzte übergeben werden könnten. Damit verblieben die Ein-

Übrigen bald an ihre Grenzen gelangt. Der Schieberegler Mor- richtungen in ärztlicher Hand. „So setzen wir auch Kommunen

bidität/Demografie stünde bereits in 15 KVen auf 50/50, nur in etwas entgegen, denen gesetzlich bereits die Möglichkeit zur

der KV RLP und KV Mecklenburg Vorpommern sei das Verhält- Gründung medizinischer Versorgungszentren eingeräumt

nis (etwas höhere Gewichtung der Morbidität) noch etwas wurde“, warb Dr. Heinz für das Projekt APC.

günstiger.

                                                                                                                               Die politischen Botschaften der KV RLP, auch stationäre Aufga-

Eigeneinrichtungen am besten unter der                                                                                         ben übernehmen und Lösungen zur Sicherstellung der wohn-

Federführung der KV RLP                                                                                                        ortnahen, ambulanten Versorgung anbieten zu können, nutzte

                                                                                                                               der Vorstand zum Beispiel auch auf den KV RLP-Veranstaltun-

Der Vorstand arbeite gemeinsam an der Entwicklung neuer gen „KV trifft Politik“ und „KV initiativ“. Hier seien bereits sehr

Versorgungsformen. Dr. Heinz: „Wir haben das Problem, dass gute Kontakte entstanden. Bürgermeister und Kommunalpoli-

wir viele Krankenhäuser im Land haben, die sehr viel Geld kos- tiker hätten die Beratungsangebote und das Expertenwissen

ten und vom Ministerium gestützt werden müssen.“ Vorstell-­ der KV RLP sehr begrüßt.

bar seien stattdessen Zentren mit Allgemein- und Fachärzten

wie etwa Praxiskliniken, die Patienten bei Bedarf auch bis zu Abschließend betonte Dr. Heinz noch einmal, dass für 2017

drei Tage stationär versorgen dürfen. Somit stünde der Bevöl- (und aller Voraussicht nach auch 2018) keine rheinland-pfälzi-

kerung ein niederschwelliges, wohnortnahes Angebot zur sche Praxis wegen der neuen Prüfvereinbarung Nachteile fürch-

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