Page 19 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Januar-Ausgabe 2018
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Berufspolitik

Foto: Engelmohr

Gesundheits-Apps sind nach Experteneinschätzung kein vorübergehender Hype.

Gesundheitszustand, die Persönlichkeit sowie den Lebenswan- antwortung zu gewährleisten, empfiehlt der Deutsche Ethikrat

del und erlaube teilweise sogar Vorhersagen, etwa zur Krank- ein an Datensouveränität orientiertes Gestaltungs- und Regu-

heitsentwicklung, so der Ethikrat.                                lierungskonzept. Ein solches Gestaltungs- und Regulierungs-

                                                                  modell habe stärker als bislang die „kontextabhängig wandel-

Die rapide wachsende Datenbasis, die damit verbundene Ent- bare Sensibilität von Daten“ zu berücksichtigen. Dabei nimmt

wicklung innovativer digitaler Instrumente und die Vernetzung der Deutsche Ethikrat den individuellen Datengeber als den

der beteiligten Akteure würden einerseits Chancen für deutlich entscheidend zu schützenden und zu achtenden Zweck in

verbesserte Diagnostik, Therapie und Prävention, Effizienz- und den Blick. Er sieht eine Vielfalt institutioneller und staatlicher

Effektivitätssteigerungen sowie die Unterstützung gesund- Akteure in der Pflicht, mit einer umfassenden gesamtgesell-

heitsförderlichen Verhaltens schaffen. Andererseits würden schaftlichen Anstrengung rechtliche, außerrechtliche und tech­

schwankende Datenqualität, Intransparenz von Datenflüssen, nische Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Menschen

Kontrollverluste sowie unsichere Koordinations-, Regulierungs- ihre Datensouveränität wahrnehmen und entfalten können.

und Qualifikationsanforderungen aber auch Risiken mit sich

bringen. Diese reichen, so der Ethikrat, von Entsolidarisierung In einem Sondervotum hat ein Mitglied des Deutschen Ethik­

und Verantwortungsdiffusion über Monopolisierung und Ver- rates zudem den Verzicht auf die Nutzung von Big Data zu

luste informationeller Selbstbestimmung bis hin zu Datenmiss- Forschungszwecken oder anderen Anwendungen gefordert,

brauch und Manipulationshandlungen.                               sofern ein umfassender Datenschutz, die Umsetzung effektiver

                                                                  Anonymisierungs- und Pseudoanonymisierungsstandards und

Traditioneller Datenschutz greift zu kurz                         das Recht auf Vergessen nicht gewährleistet werden können.

Den Herausforderungen mit den Handlungsformen und
Schutzmechanismen des traditionellen Datenschutzrechts
könne derzeit aber nur unzureichend begegnet werden kann,
stellte der Ethikrat fest. Um auch unter Big-Data-Bedingungen
den Schutz und die Achtung von Werten wie Freiheit, Privatheit,
Souveränität, Wohltätigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und Ver-

                                                                  Ärzteblatt Rheinland-Pfalz ❙ 1/2018 19
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