Page 18 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Januar-Ausgabe 2018
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Berufspolitik

Gesundheits-Apps erfordern klaren
Datenschutz und digitale Kompetenz

Ines Engelmohr, Mainz

Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps und Wearables im produkte einzustufen. Doch nur die wenigsten Apps seien als

medizinischen Einsatz haben die Teilnehmer der Fachtagung Medizinprodukte zugelassen. „In diesem Dschungel ist es für

des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informa- Verbraucherinnen und Verbraucher nicht möglich, die Spreu

tionsfreiheit Rheinland-Pfalz (LfDI) und der Verbraucherzentrale vom Weizen zu trennen“, so von der Lühe. „Erst wenn Daten-

Rheinland-Pfalz im Mainzer Landesmuseum diskutiert. Denn schutz, medizinischer Nutzen und Verlässlichkeit der Messer-

Geräte und Apps sammeln hochsensible Daten, die auch gebnisse klar nachgewiesen sind, sollten diese Produkte künf-

genaue Einblicke in die persönliche Lebensführung zulassen. tig auch bei der Prävention, Diagnostik und Therapie im Sinne

                                                             der Patienten eingesetzt werden.“ Sowohl von der Lühe als

Derzeit gebe es in den verschiedenen App-Stores über 2000 Kugelmann forderten ein Gütesiegel für Gesundheits-Apps, das

deutschsprachige Gesundheits-Apps, berichtete die rheinland- Transparenz schaffe und den Verbrauchern die Orientierung im

pfälzische Verbraucherschutzministerin Anne Spiegel. Gesund- App-Dschungel erleichtere.

heits-Apps könnten durchaus gut sein, doch Datenschutz und

-sicherheit müssten immer gewährleistet sein. Spiegel: „Die Patienten hab en Är zte mit ihren d ig italen

Bürger müssen jederzeit wissen, wo ihre Daten gespeichert M ed ien läng st üb erho lt

sind und was mit ihnen geschieht.“ Gerade für die sensiblen

Gesundheitsdaten forderte die Ministerin klare Rahmen- und Nach Einschätzung von PD Dr. Sebastian Kuhn, Ausbildungsfor-

Datenschutzbedingungen. In diesem Zusammenhang kriti- scher und Hochschuldidaktiker bei der Universitätsmedizin

sierte sie Krankenkassen, die Versicherte mit Prämien oder Mainz mit dem Schwerpunkt Digitalisierung, wird der digitale

Ermäßigungen locken würden, um an deren Gesundheitsdaten Wandel den Arztberuf verändern. Die Patienten, da war sich

zu gelangen. Diese Datenabgabe sollte untersagt werden, so Kuhn sicher, „haben mit ihren digitalen Medien uns schon

die Ministerin. Gesundheits-Apps, so Spiegel, könnten durch- längst überholt“. Deshalb sei es wichtig, dass auch Ärztinnen

aus sinnvolle Komponenten haben. Doch „einen Arztbesuch und Ärzte sich wirkliche digitale Kompetenz aneignen. Der

werden sie nicht ersetzen können.“                           digitale Wandel werde sehr dynamisch sein und werde einen

                                                             fortwährenden Bildungsbedarf erforderlich machen. „Wer auf

D ate n sc hü t ze r: No c h feh l en Ver t rau l i c h keit und facebook ein Katzenfoto posten kann, hat noch lange keine

fachliche Verlässlichkeit                                    digitale Kompetenz“, fügte er lächelnd hinzu. Digitale Medizin

                                                             sollte seiner Meinung nach auch in entsprechenden Curricula

Gesundheits-Apps, da war sich der Landesbeauftragte für den verankert werden. „In fünf Jahren“, so prophezeite er, „werden

Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz, Pro- App-basierte Behandlungen bei chronischen Krankheiten Stan-

fessor Dr. Dieter Kugelmann, sicher, „sind kein vorrübergehen- dard sein.“

der Hype.“ Deshalb müsse es auch klare Regeln geben. Sie

seien zum einen zu begrüßen, wenn sie helfen würden, das Deutscher Ethik rat leg t E mpfehlung en

Gesundheitsbewusstsein der Nutzer zu steigern oder gar die zu B ig Data vo r

medizinische Behandlung zu verbessern. Doch derzeit gebe es

noch keinen ausreichend sicheren Datenschutz, Vertraulichkeit Der Deutsche Ethikrat hat inzwischen in seiner aktuellen Stel-

oder gar fachliche Verlässlichkeit, stellte Kugelmann fest. Unge- lungnahme „Big Data und Gesundheit – Datensouveränität als

klärt sei auch noch die Haftungsfrage. Bislang scheine es so, informationelle Freiheitsgestaltung" Empfehlungen vorgelegt,

dass die Hersteller davon ausgehen würden, dass der Nutzer im die eine „angemessene verantwortliche informationelle Frei-

Falle einer unzulässigen Datenverarbeitung selbst die Verant- heitsgestaltung“ im Umgang mit gesundheitsrelevanten Daten

wortung hierfür trage.                                       ermöglichen sollen.

Für Transparenz und klare Regelungen sprach sich auch Ulrike Die für Big Data charakteristische umfassende Datenmenge,
von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland- die zu unterschiedlichen Zwecken erfasst, analysiert und neu
Pfalz, aus. Etliche Apps für medizinische Zwecke, wie Diabetes- verknüpft werde, führe zu einer„Entgrenzung des gesundheits-
Apps, Herzfrequenzmesser und Medikamenten-Manager, seien relevanten Bereichs“. Wenn solche vielfältigen Daten verwertet
nach der europäischen Medizinprodukterichtlinie als Medizin- werden, ermögliche dies tiefe Einblicke in den aktuellen

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