Page 17 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Januar-Ausgabe 2018
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Berufspolitik

                                                                 ihm dabei zugesehen hätten, wie er Nummern in den PC ein-
                                                                 getippt habe. Prüm-Wolf:„So begeistert man natürlich nieman-
                                                                 den!"

                                                                 Ähnliche klare Worte fand auch Dr. Jonas Hofmann-Eifler, der
                                                                 sich in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner befindet
                                                                 und in einer Praxisgemeinschaft in Rheinzabern arbeitet. „Es
                                                                 sind die Rahmenbedingungen, die stören, und nicht der Beruf!“
                                                                 Er selber liebe den Hausarztberuf. Aber ständig werde man mit
                                                                 neuen Formularen„gepiesackt“. Bürokratie sei im Arztberuf ein
                                                                 großes Problem und müsse dringend abgebaut werden, for-
                                                                 derte er.

        Foto: Engelmohr                                          Während des Rheinland-Pfälzischen Ärztetages stand der ärzt-

                                                                 liche Nachwuchs im Mittelpunkt. So gab es neben der klassi-

                                                                 schen Fortbildung erstmals auch Seminare für Quereinsteiger,

                                                                 für Studierende und für Ärzte in Weiterbildung. Neben rechtli-

                                                                 chen Voraussetzungen sorgten Fallbespiele aus dem Alltag für
G emeinsame Unter zeichnung des „letters of intent “ z wi- Praxisnähe.
schen dem Hausärzteverband Rheinland-Pfalz und der

AOK RLP/Saarland: Dr. Irmgard Stippler und Dr. Burkard           Darüber hinaus kam es vor Ort auch zur Unterzeichnung eines
Zwerenz.
                                                                 „letters of intent“ zwischen dem Hausärzteverband Rheinland-

                                                                 Pfalz und der AOK RLP/Saarland. Damit werde der AOK-Vertrag

thäler: „Wir brauchen starke und viele Hausärzte. Und wir wer- bis mindestens zum Jahresende 2021 weitergeführt. Nach

den nicht zulassen, dass Hausärzten das Wasser abgegraben Angaben des Hausärzteverbandes werde er von mehr als 1.000

wird.“                                                           Ärzten in Rheinland-Pfalz umgesetzt.

Mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 sei man auf einem
guten Weg, um die ärztliche Versorgung für die Zukunft zu
sichern, erklärte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deut-
schen Hausärzteverbandes. Aber, so der Hausärzte-Vorsitzende
weiter, die Stärkung der Allgemeinmedizin müsse Vorrang
haben vor allen anderen möglichen Substitutionsgedanken
wie beispielsweise dem Physician Assistant. Zugleich appel-
lierte Weigeldt an die Kommunen, Infrastruktur aufrechtzuhal-
ten: „Wenn die Infrastruktur wegbricht und die Einwohner
wegziehen, dann kann man auch nicht erwarten, dass sich dort
junge Ärzte niederlassen.“ Ferne forderte er für die tägliche
Praxisarbeit einen größeren Verschreibungskorridor:„Patienten
sind schließlich nicht gleich. Und mir saß noch nie Statistik
gegenüber!“

Deutliche Kritik am Schlechtreden des ärztlichen Berufes         Foto: Engelmohr
äußerte auch Medizinstudent Andreas Prüm-Wolf: „Statt zu
lamentieren, sollte man viel mehr begeistern.“ Denn wenn man
nur zu hören bekomme, dass man später einmal „irgendwo im
Nirgendwo sitzen würde, 120 Stunden die Woche arbeiten
muss und pro Quartal gerade mal Null auf Null rauskommt und
dann noch von Regressen überzogen wird“, brauche man sich
nicht wundern, dass keiner in die Praxis wolle. Ärztinnen und
Ärzte sollten die Jungen viel mehr mit ihrer Begeisterung für
den Beruf motivieren. Schließlich sei der Hausarzt ein toller
Beruf und er selber würde „nie etwas anderes“ machen wollen.
Auch würden sich Studierende wünschen, bei Famulaturen
mehr eingebunden zu werden. Er wisse von Studierenden, die Är zte und Är ztinnen sind her zlich willkommen und wer-
während ihrer Famulatur nur neben dem Arzt gesessen und den mit offenen Armen empfangen – wie hier in der Eifel.

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