Page 15 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Januar-Ausgabe 2018
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Berufspolitik

und dauert halt noch ein Weilchen.“ Und schon gar nicht gut sei •	 Lassen Sie keine Gegenstände am Empfang liegen, die zu

es, nichts zu sagen nach dem Motto: „Die Patienten merken gefährlichen Wurfgeschossen werden könnten.

doch, dass Notfälle dazwischengekommen sind, wenn sich im •	 Sorgen Sie für Rückzugsmöglichkeiten, falls es tatsächlich zu

Wartezimmer nichts tut.“ Zeitverzögerungen seien für Patien- einem Angriff kommt.

ten nämlich nicht selbsterklärend. Im Gegenteil: Ohne Erklärun- •	 Und sollte alles nicht helfen, scheuen Sie nicht, die Polizei zu

gen sich selbst überlassen zu werden, führe immer zu Unver- rufen.

ständnis und Unruhe.

                                                                 Beraterin Rybka ist es zudem wichtig, dass man in gefährlichen

Reflektiert werden müsse aber nicht nur das eigene Verhalten Situationen stark genug ist, um zu überlegen„Was kann ich tun,

oder die eigene Organisation, sondern es müsse auch überlegt um hier zu deeskalieren“ und nicht nur panisch zu überlegen

werden, ob es technische oder bauliche Maßnahmen gebe, die „Wo ist mein Pfefferspray?“. Und sie gibt auch zu: „Es gibt durch-

förderlich seien könnten, um Aggressionen zu vermeiden oder aus gefährliche Situationen, da ist Flucht das einzig Wahre.“ Im

um im Ernstfall eingreifen zu können. Sind beispielsweise übrigem ist der Einsatz von Mitteln wie Pfefferspray gegen

Sprechzimmer und Funktionsbereiche von außen zu öffnen Schutzbefohlene ein juristischer Straftatbestand.

und gibt es Notrufknöpfe? Müssen Alleinarbeitsplätze vielleicht Das Gute bei diesem sensiblen Thema: Über den Umgang mit

abgesichert werden? Ist der Empfangsbereich offen? Und even- schwierigen Patienten, über Deeskalationsstrategien und auch

tuell auch überlegen, ob man auffällige Patienten in den Akten über Anti-Gewalt-Training kann man sich informieren, sich

entsprechend für interne Hinweise markieren könne?               vorbereiten und sich so Sicherheit aneignen.

Ich-Botschaften sind wichtig                                     Ein solches Fortbildungsangebot erarbeitet derzeit die Landes-

                                                                 ärztekammer gemeinsam mit der Polizeihochschule. Für Ärzte-

Auch bei der Kommunikation gebe es Tipps, die helfen, dass kammer-Präsident Matheis ist dies ein wichtiges Vorhaben,

sich beide Seiten nicht hochschaukeln. Ich-Botschaften wie„Ich damit Ärztinnen und Ärzte„sich rechtzeitig für den Fall der Fälle

glaube, dass…“ oder „Ich verstehe, dass…“ wirken meist weni- stark machen können“.

ger aggressiv als Sätze, die nach Vorwurf klingen könnten. Die

Perspektive des Gegenübers ernstnehmen gehöre ebenfalls

dazu, so die Beraterin. Körpersprache und Mimik sollten zudem

stets zueinander passen. Gut sei es auch, Ruhe und Geduld

auszustrahlen und Klarheit zu vermitteln. Eine gute Beobach-

tungsgabe helfe darüber hinaus, zu erkennen, ob sich Eskala-

tion anbahne.

Komme es trotz aller Empathie und Deeskalationsbemühun-
gen zu Gewaltausschreitungen, dann müsse man das eigene
Können schon realistisch einschätzen können. Im Team sollte
man sich gemeinsam überlegen, ob ein Sicherheitstraining
hilfreich sein könnte. Rybka: „Körperliche Interventionstechni-
ken sind immer das letzte Mittel der Krisenintervention!“ Doch
ein Sicherheitstraining helfe auch das eigene Selbstbewusst-
sein zu stärken mit der Erkenntnis„Ich könnte mit einer solchen
Situation umgehen in der Hoffnung, es nie tun zu müssen.“

Belastungsgrad individuell ermitteln

Wie hoch der Belastungs- und Gefährdungsgrad in einer Praxis                                                                         Anzeige
oder in einer Notaufnahme ist, ist oft schwer einzuschätzen.
Doch um tatsächlichen Gefährdungen ein wenig die Plötzlich-
keit zu nehmen, können auch ein paar Tipps im Vorfeld hilfreich
sein:
•	 Seien Sie und Ihr Team mental auf verbale oder auch körper-

  liche Übergriffe vorbereitet. Reden Sie gemeinsam im Team
  darüber. Im Sinne des Arbeitsschutzes und Risikomanage-
  ments sollte dieses Thema sowieso immer auf der Agenda
  stehen.
•	 Setzen Sie klare Grenzen im Gespräch.
•	 Bleiben Sie im Gespräch ruhig und sachlich.

                                                                    Ärzteblatt Rheinland-Pfalz ❙ 1/2018 15
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