Page 14 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Januar-Ausgabe 2018
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Berufspolitik

Foto: Engelmohr

Manchmal hilft es, wenn man nur die Faust in der Tasche ballt. Aber meistens ist gute Deeskalation viel wirkungs-
voller, um mit aggressiven Patienten umzugehen.

Informationen über Deeskalationsstrategien und auch über die Beraterin. Schmerz und Leid und besonders Trauer würden

den Umgang mit schwierigen Patientinnen und Patienten sind oft herausgeschrieen, was die Menschen hierzulande in dieser

gefragt; bei der Bezirksärztekammer Trier hat beispielsweise im Form nicht kennen und irritieren würde.

Fortbildungsseminar „Tatort Praxis“ die Ärztin und Unterneh-

mensberaterin Dipl.-Med Sigrid Rybka gemeinsam mit Ärztin- R isiko manag ement hilf t mit selbstk ritischem

nen, Ärzten und Praxismitarbeitern das Thema aufgearbeitet. B lick auf eig ene Struk turen

Immer wieder erfährt Rybka von recht dramatischen Einzelfäl-

len. Das Risiko, am Arbeitsplatz mit Gewalt konfrontiert zu Praxisteams, die sich im Sinne eines Risikomanagements für

werden, ist ihrer Einschätzung nach in den vergangenen Jahren den Umgang mit schwierigen Pateinten sensibilisieren und

deutlich gestiegen. Die Gründe hierfür seien Ungeduld, vorbereiten möchten, damit sich Konflikte nicht hochschaukeln,

Schmerzen sowie Sorgen und Ängste in Verbindung mit zu empfiehlt die Beraterin als erste Maßnahme eine „sehr selbst-

langen Wartezeiten, „einfachste Kommunikationsstörungen kritische Bestandsaufnahme“ der Praxis und auch des eigenen

und durchaus auch Organisationsmängel“.                       Verhaltens. Hierzu zähle auch, die eigene Praxisorganisation

                                                              unter die Lupe zu nehmen. Rybka: „In schlecht organisierten

Natürlich gebe es auch Krankheiten, die bei den Patienten die Unternehmen steigt die Wahrscheinlichkeit von Aggressionen!“

Selbstkontrolle und die Selbstregulation beeinflussen und zu Beim Problemthema lange Wartezeiten empfiehlt sie zudem

aggressivem Verhalten führen würden. Persönlichkeitsstörun- auch zu ehrlicher Kommunikation. Hilfreich für die Patienten

gen seien auch mitunter der Grund, warum es zu Auseinander- seien konkrete Zeitangaben, wenn es zu Wartezeiten komme

setzungen komme. Auch Alkoholkonsum spiele eine Rolle. Und wie etwa„Leider dauert es wegen unvorhergesehener Notfälle

zu nennen seien in diesem Zusammenhang ebenfalls interkul- noch gut eine Stunde, bis Sie an der Reihe sind.“ Oder: „Vor

turelle Missverständnisse. In anderen Kulturkreisen würden Ihnen sind derzeit noch vier Patienten.“ Unkonkrete Angaben

beispielsweise Gefühle ganz anders ausgelebt als hier, erklärte seien nicht förderlich, kämen aber meistens vor: „Es ist viel los

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