Page 12 - Ärzteblatt Rheinland-Pfalz, Januar-Ausgabe 2018
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Berufspolitik

Mann hätten stets Vollzeit gearbeitet und sich bei den Kindern
beide jeweils Elternzeit genommen. Inzwischen arbeite ihr
Mann als niedergelassener Arzt, „und das ist super“, fügte sie
hinzu. Die „Last des Spagats“ muss nach ihrer Meinung immer
auf beiden Schultern ruhen. „Die schlimmsten Barrieren“, so
Dreimüller, „sind diejenigen im Kopf!“ Sie selber erstaune es
immer wieder, wie viele Hemmschwellen es in den Köpfen
noch gebe. Davon solle man sich freimachen und sich den
Beruf auch nicht von„Miesmachern verderben lassen“. Dreimül-
ler:„Wir haben den schönsten Beruf! Auch dann, wenn man viel
los ist!“

Foto: Engelmohr
                                                                                                                         Foto: Engelmohr
                                    Auf die sehr guten berufli-

                                    chen Chancen wies auch

                                    Dr. Barbara Römer, nieder-

                                    gelassene Allgemeinärz-                                                                             Medizinstudierende haben viele Fragen; die Ärztekammer
                                    tin aus dem rheinhessi-                                                                             gibt Antworten.

                                    schen Saulheim, hin. Sie

                                    machte zudem den Stu- den unbedingt dazu. „Der Facharzt ist quasi die Eintrittskarte.“

                                    dierenden Mut zur Nie- Denn ohne Facharzt sei keine Leitungsfunktion in der Klinik

                                    derlassung: „Haben Sie möglich und eine Niederlassung in eigener Praxis auch nicht.

                                    keine Angst davor! Sie Ganz wichtig für die Weiterbildungszeit sei es auch, sich stets

                                    verdienen sehr gut!“ im Vorfeld bei der Kammer zu erkundigen, ob an der Stätte, an

                                    „Machen Sie den Facharzt, der die Weiterbildung gemacht werden soll, auch eine Weiter-

                                    der Ihnen liegt, und zie- bildungsbefugnis vorliegt. Denn liege keine Befugnis vor, dann

 Hausärztin Dr. Barbara Römer:      hen Sie Ihre Weiterbil- gebe es auch keine anrechenbaren Weiterbildungszeiten und
„Sie haben die Wahl, denn Sie       dung durch. Auch wenn somit keine Zulassung zur Facharztprüfung.
sitzen auf dem Thron! Nutzen        diese vielleicht wegen Was man denn bei Umzug in ein anderes Bundesland beachten

Sie das und kommen Sie auch Teilzeit längen dauern müsse, wollte eine Studierende wissen. In diesem Fall gilt: Man
aufs Land!“
                                    sollte.“ Mit einem leiden- macht mit der Weiterbildungsordnung weiter, die zum Zeit-

                                    schaftlichen Appell be­­ punkt des Zuzugs gültig war. Und worauf soll man achten,

richtete sie von den Vorteilen, als Ärztin auf dem Land zu wenn man sich im Ausland befindet? Weiterbildungszeiten im

arbeiten. Der Bedarf an Ärzten sei derzeit groß. Das gelte nicht europäischen Ausland und in den USA werden meist unprob-

nur für den hausärztlichen, sondern auch für den fachärztli- lematisch anerkannt. Am sichersten sei es aber, vor dem Aus-

chen Bereich. Römer:„Sie kriegen den roten Teppich ausgerollt!“ landsaufenthalt bei der Ärztekammer nachzufragen!„Wie lange

Der Bedarf an Ärzten sei so groß, dass sich selbst Saulheim - dauert denn die Facharztprüfung und wann wird man hierfür

direkt im Mainzer Speckgürtel – „mittendrin im Ärztemangel zugelassen“, fragte ein weiterer Studierender. Für die Facharzt-

befindet“. Sie wies die Nachwuchsärzte ferner daraufhin, dass prüfung wird man zugelassen, wenn alle erforderlichen Zeug-

derzeit die Rahmenbedingungen so gut seien, dass man sehr nisse und das ausgefüllte Logbuch vorliegen. Die Bezirksärzte-

gut auch Forderungen stellen könne.„Sie haben die Wahl, denn kammer prüft die Unterlagen. Die Facharztprüfung selber

Sie sitzen auf dem Thron! Nutzen Sie das und kommen Sie auch besteht aus einem Fachgespräch, das etwa 45 Minuten dauert.

aufs Land!“ Eventuelle Befürchtungen vor möglicher Überlas- Die Frage, ob man Weiterbildung auch in Teilzeit absolvieren

tung durch Nacht- und Wochenenddienste ließ die Hausärztin könne, interessierte eine Studierende. Ja, natürlich kann man

nicht gelten: „Wir haben einen sehr gut organisierten und flä- das. Die Weiterbildung dauert in einem solchen Fall dann ent-

chendeckenden Bereitschaftsdienst, der das abfedert.“ Römer: sprechend länger.

„Unser Beruf macht Spaß!“

Für die Fragen der Studierenden hat die Landesärztekammer Sehr interessiert waren die Studierenden aber auch an Fragen

Rheinland-Pfalz ein offenes Ohr. Denn der medizinische Nach- rund um die eigene Absicherung. Hier ist die Berufshaftpflicht-

wuchs liegt der Ärztekammer am Herzen. Je früher künftige versicherung ein absolutes Muss; sie ist sogar vorgeschrieben

Ärztinnen und Ärzte mit der Ärztekammer in Kontakt kommen, in der ärztlichen Berufsordnung, berichtete Kammer-Präsident

desto besser kann die Ärztekammer die Interessen der Nach- Matheis. Eine eigene Kranken- und Pflegeversicherung werde

wuchsgeneration kennenlernen und sich dafür einsetzen. Bei- ebenfalls notwendig. Und eine wichtige Absicherung biete

spielsweise bei der Weiterbildung.                               zudem die Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Verweisbar-

Den Facharzt machen:„Das klingt vielleicht erst einmal kompli- keit. Bei Abschluss einer Rechtsschutzversicherung sollte man

ziert, ist es aber gar nicht“, erklärte Dr. Jürgen Hoffart, Hauptge- zudem darauf achten, dass auch der Arbeitsrechtsschutz mit-

schäftsführer der Landesärztekammer, und riet den Studieren- versichert sei.

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